Jun 30

Patricia Cornwell – Trübe Wasser sind kalt

Patricia Cornwell - Trübe Wasser sind kalt

Patricia Cornwell – Trübe Wasser sind kalt

Die Kritiken auf der Rückseite des Buches versprachen unter anderem Spannung, Melancholie und Zärtlichkeit.

 

Zum Buch:

An Silvester wird Kay Scarpetta, Chefin der Gerichtsmedizin von Virginia und forensische Beraterin des FBI, zu einem Leichenfund auf einem alten Militärschiffsfriedhof gerufen. Der Tote ist ein berühmter Journalist und auch ihr persönlich bekannt. Schnell wird Kay bei der Autopsie klar, dass dies kein Tauchunfall sondern Mord war. Bei der Durchsuchung der Wohnung des Toten finden sich Beweise, dass der Journalist über eine Sekte namens Neue Zionisten recherchiert hat. Kay stellt sich die Frage, was die Sekte mit dem Schiffsfriedhof zu tun hat.

 

Der siebte Fall von Kay Scarpetta will einfach nicht in Schwung kommen. Zwar beginnt das Buch mit einem anonymen Anruf und dem Leichenfund im trüben Wasser spannend, verliert sich dann aber in zu viele Nebensächlichkeiten. Zwischen den spannenden Abschnitten muss sich der Leser immer wieder durch lange und teilweise langweilige Dialoge von Kay und ihrer Umwelt schleppen.

Da dieses Buch strikt aus der Sicht der Gerichtsmedizinerin erzählt wird, passiert es leider sehr oft, dass der Leser, genauso wie die Hauptfigur, zwar oft dabei ist – aber nie wirklich mittendrin. Spannung und Action finden immer dort statt, wo Kay gerade nicht ist. So erfährt man als Leser vieles durch Hörensagen und muss sich mit den wilden Spekulationen der Gerichtsmedizinerin über Motive und Abläufe zufrieden geben. So entsteht leider ganz selten Spannung.

Neben der wackelnden Spannung hat man Probleme sich den Figuren in diesem Buch zu nähern. Dafür erscheint Kay viel zu zickig und egoistisch. Ihre Nichte bleibt erstaunlich blass und leblos und die restlichen Figuren hölzern und oberflächlich. Auf die Mitglieder der Sekte und deren angeblich charismatischen Anführer wird gar nicht erst eingegangen. Somit wurde auch hier eine Chance vertan ein paar Reizpunkte in diese Geschichte zu bringen. Statt sich mit der Psychologie der Figuren oder deren Motive auseinanderzusetzen, muss man als Leser den langweiligen Dialogen über das Privatleben der Figuren folgen.

Nach der Langeweile kommt die Verwirrung. Denn die Story dieses Buches wirkt wirr und ideenlos zusammengeschustert. Fast scheint es so, als ob sich die Autorin nicht entscheiden konnte oder wollte, wo der Schwerpunkt dieses Buches liegen soll: Krimi, Thriller oder doch ein Liebes- oder gar ein Familienroman? So ist von allem ein bisschen vorhanden aber nichts wirkt zu Ende gedacht und was noch schlimmer ist, nicht einmal alles wird zu Ende erzählt.

 

Zusammengefasst:

In diesem Buch herrscht größtenteils Langeweile und Verwirrung vor. Dann vielleicht doch lieber ein anderes Buch aus der Kay Scarpetta Reihe lesen.

 

Aus der Redaktion:

Ähnlicher Autor: Kathy Reichs

Ähnliches Buch: Welt in Angst – Michael Crichton

Interessanter Fakt: Dies ist der siebte Fall der Gerichtsmedizinerin Kay Scarpetta.

Apr 29

Henning Mankell – Mörder ohne Gesicht

Henning Mankell - Mörder ohne Gesicht

Henning Mankell – Mörder ohne Gesicht

In diesem Buch tritt zum ersten Mal, der in der Zwischenzeit zum Kult gewordene Kommissar Kurt Wallander auf.

 

Zum Buch:

Auf einem abgelegenen Bauernhof wird ein älteres Ehepaar gefoltert und getötet. Der ermittelnde Kommissar Wallander ist aufgrund der Brutalität des Verbrechens schockiert. Es findet sich trotz intensiver Suche kein Motiv für die Tat. Da „Ausländer“ das letzte Wort der Ehefrau war, bevor sie starb, befürchtet Wallander Ausschreitungen – sollte diese Tatsache bekannt werden.

 

Dieses Buch von 1991 weiß auf vielen Ebenen zu überzeugen. Da ist zum einem der Blick in die Ermittlungsarbeit der Polizei. Die in den frühen 90’ern noch ohne Handys und schnelle „CSI“ Gimmicks auskommen „musste“. Es wird hier Ermittlungsarbeit gezeigt, die langes Warten auf Ergebnisse und das Versanden von vielen Ermittlungsansätzen zeigt. Eine wahrscheinlich sehr realistische Schilderung der täglichen Polizeiarbeit.

Da ist aber auch ein Blick in die schwedische Gesellschaft, die sich mit ihrer liberalen Einwanderungspolitik und der gestiegenen Gewalt in ihrer Gesellschaft auseinandersetzen muss. Zu guter Letzt ist dies auch ein Portrait eines einsamen Polizisten, der von der Arbeit besessen und getrieben ist und dadurch sein Privatleben scheinbar nicht mehr in den Griff bekommt.

Diese drei Komponenten werden vom Autor in einer ruhigen, einfachen und melancholischen Sprache zusammengeführt. Die privaten und ermittlungstechnischen Handlungsstränge sind geschickt ineinandergeflochten und lassen keine Langeweile aufkommen. So entstand eines der ersten großen Meisterwerke der neueren schwedischen Kriminalliteratur. Das sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen.

 

Zusammengefasst:

Ein ruhiges aber sehr intensives Buch über eine Gesellschaft und einen Kommissar im Wandel.

Aus der Redaktion:

Ähnlicher Autor: Hakan Nesser

Ähnliches Buch: Und Piccadilly Circus liegt nicht in Kumla – Hakan Nesser

Interessanter Fakt: Das Buch wurde schon zweimal verfilmt. 1994 für das schwedische Fernsehen und 2010 durch die BBC.

 

Hörbuchempfehlung:

 

Verfilmung:

Mrz 25

Gillian Flynn – Gone Girl

Gillian Flynn - Gone Girl

Gillian Flynn – Gone Girl

Gillian Flynn’s “Gone Girl“ wurde in den USA sofort zu einem Bestseller und Hollywood riss sich um die Filmrechte.

 

Zum Buch:

Nicks Frau Amy verschwindet am Morgen ihres fünften Hochzeitstages. Die Indizien sprechen für eine gewaltsame Entführung. In den Fokus der Ermittler gerät unter anderem Nick. Dieser beteuert seine Unschuld. Doch die gefundenen Beweise sprechen fast ausnahmslos gegen ihn.

 

Das Buch von Gillian Flynn beginnt spannend und mit der interessanten Idee die Geschichte aus zwei Ich-Perspektiven zu erzählen. Durch das Abwechseln der Perspektive bekommt man als Leser immer wieder die Möglichkeit, das Geschehen aus der Sicht von Nick und Amy zu erleben. Der Anfängliche Clou erweist sich aber im Laufe des Buches als Bürde. Denn das Geschehene öfters lesen zu müssen, verursacht doch immer wieder langatmige Phasen.

Zwar versucht die Autorin durch überraschende Wendungen die aufkommende Langeweile zu verhindern, aber spätestens nach der ersten großen Wendung ist die Spannung raus. Ab diesem Moment ist dieses Buch ein Roman über zwei Menschen die nicht mit aber auch nicht ohne einander leben können oder wollen. Von der anfänglichen Spannung ist fast nichts mehr übrig. Die Kriminalgeschichte ist an den Rand gedrängt worden.

Auch nicht gerade von Vorteil für dieses Buch ist, dass keine der beiden Hauptfiguren als eine symphytische Figur dargestellt wird. Man tut sich als Leser schwer mit der einen oder anderen Figur mitzufühlen. Deswegen liest man dieses Buch mit einem ziemlich neutralen Blick zu Ende und freut sich, dass man selbst nicht so „verkorkst“ ist wie dieses Ehepaar. Da hilft auch die gute und flüssige Schreibweise der Autorin nicht mehr.

 

Zusammengefasst:

Was spannend wie ein Thriller beginnt, endet in einem Buch über Streitereien eines ziemlich ungewöhnliches Ehepaares.

 

Aus der Redaktion:

Ähnlicher Autor: Kate Atkinson

Ähnliches Buch: Die vierte Schwester – Kate Atkinson

Interessanter Fakt: 2014 war die Verfilmung mit Ben Affleck in einer der Hauptrollen in den Kinos zu sehen.

 

Hörbuchempfehlung:

 

Verfilmung:

Mrz 11

John Hart – Das letzte Kind

John Hart - Das letze Kind

John Hart – Das letze Kind

„Das letzte Kind“  von John Hart wurde mit dem britischen Ian Flemming Steel Dagger als bester Thriller des Jahres 2010 ausgezeichnet.

 

Zum Buch:

Vor einem Jahr wurde die 12-jährige Alyssa entführt. Kurz darauf verlässt der Vater die Familie. Die Mutter bricht daraufhin zusammen und flüchtet sich in eine von Drogen geprägte Beziehung mit einem anderen Mann. Nur Alyssas Zwillingsbruder Johnny und der damals ermittelnde Detective Hunt haben die Hoffnung das Mädchen lebend zu finden nicht ganz aufgegeben. Dann verschwindet wieder ein junges Mädchen und Johnny findet einen Hinweis, der darauf hindeuten könnte, dass seine Schwester noch lebt.

 

Die Geschichte um den jungen Johnny, der nach einem Jahr noch immer daran glaubt, seine Zwillingsschwester finden zu können ist ein Thriller mit überraschend viel Tiefgang. Es ist eben nicht nur die spannend geschriebene Story um die Suche nach zwei verschwundenen Mädchen, die den Leser fesselt. Es ist auch die traurige Geschichte des jungen Johnnys und dem Zerbrechen einer Familie nach dem Verschwinden der geliebten Tochter.

Dem Autor gelingt es gut die Balance zwischen Spannung, Tempo und melancholischer Stimmung zu halten. Die Hauptcharaktere wirken zwar an manchen Stellen etwas überzeichnet, aber das stört den Lesefluss nicht weiter, denn über weite Strecken sind die Figuren glaubwürdig und binden den Leser emotional an dieses Buch.

Man verzeiht dem Autor auch, dass die Geschichte streckenweise etwas zu dick aufträgt. Dass der Ururenkel des ersten freigelassenen schwarzen Sklaven in North Carolina mit spirituellem Touch zur Lösung des Falles beiträgt, ist wahrscheinlich auch nicht jedermanns Geschmack. Es passt aber irgendwie doch ganz gut zu den gestellten Fragen nach Gott, dem Sinn des Lebens und dem Umgang mit der eigenen Schuld.

 

 

Zusammengefasst:

Ein spannender Thriller mit emotionalen Tiefgang und überzeugenden Charakteren.

Aus der Redaktion:

Ähnlicher Autor: Michael Connelly

Ähnliches Buch: Der Professor – John Katzenbach

Interessanter Fakt: John Harts Erstlingswerk „Der König der Lügen“ wurde in Amerika für die wichtigsten fünf Literaturpreise nominiert.

Jan 03

Arno Strobel – Der Sarg

Arno Strobel - Der Sarg

Arno Strobel – Der Sarg

Die Autorin Nele Neuhaus versprach auf der Rückseite dieses Buches „Hochspannung pur!“

 

Zum Buch:

Nachts träumt Eva davon in einem Sarg eingeschlossen zu sein. Doch war es wirklich nur ein Traum? Beim Aufwachen in ihrem eigenen Bett hat sie Abschürfungen und Blutergüsse an den Händen, Armen und Beinen, die sie sich nicht erklären kann. Am nächsten Tag erfährt sie aus der Zeitung, dass ihre Halbschwester in der Nacht lebendig in einem Sarg vergraben wurde und dabei verstarb. Alles nur ein Zufall?

 

Zwar ist dieser Thriller von Arno Strobel solide geschrieben, aber von Hochspannung pur ist er meilenweit entfernt. Zum einen ist die Geschichte bereits am Anfang leicht zu durchschauen und zum anderen sind die verwirrte Hauptfigur Eva und der aufbrausende Kommissar keine sympathischen Figuren, mit denen sich der Leser auf irgendeine Art und Weise identifizieren kann. Leider erscheinen auch die anderen Figuren in diesem Buch seltsam hölzern und klischeebeladen; so dass sich dieses Buch auch nicht über interessante Charaktere in eine bessere Bewertung rettet.

Der leicht zu durchschauende und für die Geschichte alles tragende Plot verleidet das gesamte Buch. Denn die Spannung ist damit früh raus. Mehr oder minder schleppt man sich durch dieses Buch, dass sonst mit keinen überraschenden Wendungen mehr aufwartet. Dem einzigen Clou folgend wurde es leider versäumt weitere Rätsel in die Geschichte einzubauen. Stattdessen wirkt die dünne Story auch noch zusammengeschustert und manchmal nicht ganz schlüssig zu Ende gedacht.

Selbst wenn man den Plot nicht direkt am Anfang errät, dürfte die Spannung rar sein, denn Nebenhandlungen gibt es fast keine. Ein bisschen Privatleben wird den Figuren zugestanden, aber Ermittlungsarbeit, mit der man noch etwas Spannung hätte kreieren können, fehlt fast gänzlich. Außerdem werden so viele Andeutungen gemacht, dass man zwangsläufig vor dem Ende des Buches die Lösung erraten muss.

 

Zusammengefasst:

Leider ist von Hochspannung in diesem Buch nichts zu finden. Dafür ist die Story zu schwach und die Figuren zu hölzern.

 

Aus der Redaktion:

Ähnlicher Autor: Sebastian Fitzek

Ähnliches Buch: Der Beschützer – Belinda Bauer

Interessanter Fakt: Kommissar Menkhoff taucht auch in Arno Strobels Buch „Das Wesen“ auf.

 

Hörbuchempfehlung:

Dez 03

Stephan Ludwig – Zorn – Vom Lieben und Sterben

Stephan Ludwig - Zorn - Vom Lieben und Sterben

Stephan Ludwig – Zorn – Vom Lieben und Sterben

Dieser zweite Fall von Hauptkommissar Zorn erschien so kurz nach dem ersten, dass ich dachte, den nehme ich auch noch mit.

 

Zum Buch:

Nach einem brutalen Mord an einem Jugendlichen ermitteln Zorn und sein Assistent Schröder. Die Fingerabdrücke des Toten passen zu einer Einbruchserie in einer Kleingartenanlage. Die vier Freunde des Toten gestehen die Einbrüche. Kurz darauf wird der zweite Jugendliche aus der Clique tot aufgefunden. Die Polizei steht vor einem Rätsel und die verbliebenen Freunde schweigen. Als der dritte Mord gerade so verhindert werden kann, steht der Fall scheinbar kurz vor der Lösung, doch der vermeintliche Täter liegt im Koma und kann nicht befragt werden.

 

Wie auch der erste Fall des Duos Zorn und Schröder lebt das Buch von den verschrobenen Hauptfiguren. In diesem Buch bekommen beide etwas mehr Tiefe zugestanden. Vor allem Assistent Schröder denkt diesmal eigene Gedanken und erhält eine Hintergrundgeschichte.

Das ist aber gleichzeitig ein Problem dieses Buches. Es wird viel Zeit für Privates vergeudet und wenig ermittelt. Vor allem die Hauptfigur Zorn scheint fast noch weniger zu tun als beim ersten Fall und wenn er etwas unternimmt, dann stümpert er zumeist. Man gewinnt den Eindruck, den wohl unfähigsten Polizisten vor sich zu haben, den man sich vorstellen kann.

Ein weiteres Problem: Man wird das Gefühl nicht los, dass alles schon einmal gelesen zu haben. Die Story um fünf Jugendliche, die ein Geheimnis haben, ist nicht gerade originell verarbeitet worden. Dadurch wirken die Charaktere der Teenager bekannt und klischeehaft. Die Handlung selbst ist zu konstruiert und wenig überzeugend.

Von der fast nicht vorhandenen Handlung ablenken, soll wohl auch die unglaubliche Brutalität dieses Buches. Fast scheint es so, als ob der Autor sein schon gewalttätiges Erstlingswerk noch überbieten wollte. So werden Menschen verbrannt, verstümmelt und gefoltert. Doch weder die Presse noch die handelnden Personen in diesem Buch scheint das wirklich zu erschüttern.

Positiv zu sehen ist, dass die Dialoge zwischen Zorn und Schröder nicht nur an Tiefe, sondern auch an Humor gewonnen haben. Das Buch liest sich dank des guten Schreibstils leicht und flüssig.

 

Zusammengefasst:

Wer sich mit den Figuren anfreunden und über Brutalität und sonstige Schwächen hinweg sehen kann, wird unterhalten.

 

Aus der Redaktion:

Ähnlicher Autor: Andreas Winkelmann

Ähnliches Buch: Verflucht seist du – Inge Löhnig

Interessanter Fakt: Stephan Ludwig machte sich als Ghostwriter von Olaf Schubert einen Namen.

 

Hörbuchempfehlung: 

Nov 11

Louise Penny – Denn alle tragen Schuld

Louise Penny - Denn alle tragen Schuld

Louise Penny – Denn alle tragen Schuld

Dieser Erstlings-Roman von Louise Penny erhielt gleich fünf internationale Krimipreise.

 

Zum Buch:

In einem Dorf nahe Montreal wird die pensionierte Lehrerin Jane Neal im Wald von einem Pfeil getötet. Die Polizei geht zunächst von einem tragischen Jagdunfall aus, muss sich aber doch fragen, ob nicht viel mehr dahinter steckt.

 

Fast könnte man meinen, man befände sich in einem Agatha Christie Roman. Ein kleines gemütliches Dorf mit einer etwas schrulligen Einwohnerschaft, das sich mit einem Mord auseinander setzen muss. Man würde sich nicht wundern, wenn Miss Marple um die Ecke kommt um von St. Mary Mead zu erzählen. Die Illusion wäre perfekt, wenn nicht die tiefenpsychologischen Ansätze wären, die heutzutage einen Krimi fast zwangsläufig begleiten und das Dorf nicht in Kanada liegen würde.

Diese Mischung aus alt und neu ergibt einen spannenden und flüssig zu lesenden Roman. Der trotz des recht einfachen Plots immer spannend bleibt und mit einer Reihe von liebenswerten, teilweise aber recht schrulligen Figuren aufwarten kann. Diese sind so realistisch und für den Leser greifbar, dass man zu Recht von einem großen Pluspunkt sprechen kann. Abgerundet wird das ganze durch einen sehr feinen Humor der bescheiden im Hintergrund bleibt. Für Agatha Christie oder Elisabeth George Fans ist dieses Buch schon fast ein Muss.

Ein sehr gelungener Auftakt der Inspector-Gamache-Reihe. Auch wenn es, gewollt oder nicht, sehr viele Ähnlichkeiten zu Martha Grimes Buch „Inspektor Jury schläft außer Haus“ gibt.

 

Zusammengefasst:

Würde Agatha Christie heutzutage Bücher schreiben, sie würden sehr wahrscheinlich so sein wie dieses hier.

 

Aus der Redaktion:

Ähnlicher Autor: Agatha Christie

Ähnliches Buch: Inspektor Jury schläft außer Haus – Martha Grimes

Interessanter Fakt: Für dieses Debüt fand Louise Penny keinen Nordamerikanischen Verlag. So wurde das Buch zuerst in England veröffentlicht.

Okt 28

Marco Malvaldi – Im Schatten der Pineta

Marco Malvaldi - Im Schatten der Pineta

Marco Malvaldi – Im Schatten der Pineta

Dieses Buch von Marco Malvaldi wurde mir mit den Worten geschenkt: „Du magst doch Krimis.“ Etwas, das unbestreitbar wahr ist.

 

Zum Buch:

Mitten in der Nacht kommt ein betrunkener Mann in Massimos Bar und behauptet nicht weit entfernt liegt eine Frauenleiche in einem Müllcontainer. Massimo begleitet den Mann zum Fundort und verständigt daraufhin die Polizei. Pineta ist ein kleines Städtchen. Somit spricht sich die Neuigkeit eines Mordes schnell herum. Man kennt auch das junge Opfer und dessen schlechten Ruf. Die Polizei und die Bevölkerung verdächtigen schnell den vermeintlichen Freund des Opfers. Nur Massimo hegt Zweifel.

 

Als Leser taucht man schnell in die kleine Welt des italienischen Küstenstädtchens ein. Gerade die Altherrenrunde, die sich immer in Massimos Bar trifft, wirkt so authentisch, dass man sie beim Kartenspiel bildlich vor sich sieht. Die sehr guten und überzeugenden Charaktere dieses Buches sind sicher ein großes Plus. Ebenso der leichte und lockere Schreibstil des Autors, der einen die heißen Sonnentage Italiens auf der Haut spüren lässt.

Ein bisschen lässt der Aufbau des Buches den Leser an Bücher von Agathe Christie denken.

Allerdings überzeugt dieses Buch letztlich doch nicht so ganz. Der Plot ist vom Leser viel zu leicht zu durchschauen. Die geringe Seitenzahl von 190 Seiten verstärkt den Eindruck, dass der Autor wesentlich mehr Wert auf die Atmosphäre als auf einen ausgeklügelten Krimiplot gelegt hat.

Andererseits ist die geringe Seitenzahl wenigstens ehrlich. So ist man nicht gezwungen sich endlos durch ein vorhersehbares Buch zu quälen. Aber etwas mehr Verschleierung des Täters hätte diesem italienischen Sommerkrimi trotzdem gut zu Gesicht gestanden.

 

Zusammengefasst:

Locker und leichte Krimiunterhaltung für Zwischendurch.

 

Aus der Redaktion:

Ähnlicher Autor: Diana Fiammetta Lama

Ähnliches Buch: Eine Leiche zu Ferragosto – Diana Fiammetta Lama

Interessanter Fakt: Dieses Buch ist das Debüt von Marco Malvaldi.

Okt 22

Camilla Läckberg – Meerjungfrau

Camilla Läckberg - Meerjungfrau

Camilla Läckberg – Meerjungfrau

Die Rückseite dieses Buches verspricht Psychologie statt Gemetzel, aber auf dem Cover sind dafür überraschend viele Blutspritzer zu sehen. Ein interessanter Widerspruch.

 

Zum Buch:

Als Christian Thydell mit der Arbeit an seinem Buch „Meerjungfrau“ beginnt, kommen in unregelmäßigen Abständen Drohbriefe von einer Frau, die ihn mit seiner Vergangenheit konfrontieren. Kurz vor der Fertigstellung des Buches erhalten auch zwei seiner Freunde Drohbriefe und sein bester Freund Magnus verschwindet spurlos. Doch erst als Magnus Leiche unter dem Eis gefunden wird, bekommt Kommissar Hedström genügend Hinweise um einen Zusammenhang zu erstellen.

 

Eine Geschichte, in der vier Freunde ein Geheimnis in ihrer Vergangenheit haben, ist bestimmt nicht neu und sie zu schreiben eine Gradwanderung, weil es schon so viele Bücher darüber gibt. Camilla Läckbergs gelingt es dennoch den Leser soweit zu faszinieren, dass er gerne diese Geschichte weiter liest.

Das Buch ist flüssig und in einer klaren Sprache geschrieben. Alle Charaktere sind gut und überzeugend herausgearbeitet. Wie oben beschrieben kommt einem die Geschichte bekannt vor, weist aber genügend gut gesetzte Spannungsbögen auf um den Leser zu fesseln. Rundum ein Buch das man wunderbar an einem Sonntagnachmittag durchlesen könnte.

Wenn nicht zwei Dinge das Lesen erschweren würden. Zum einen – und das ist nicht negativ gemeint – ist das Geheimnis, das es zu erforschen gilt, nichts für einfache Gemüter. Die Rückseite des Buches hat schon Recht, wenn sie darauf hinweist, dass es mehr Psychologie als Gemetzel ist. Aber auch Psychologie kann ein Gemetzel im Kopf des Lesers auslösen.

Zum zweiten ist der Plot des Buches für erfahrene Krimileser viel zu leicht zu durchschauen. Ärgerlich ist auch, dass man irgendwann den Eindruck gewinnt, jede der Figuren weiß die Lösung bereits und gibt sie weiter, nur dem Leser wird sie vorenthalten. Dadurch setzt sich das Gefühl fest, dass dieses Buch künstlich in die Länge gezogen worden ist.

Der sechste Fall von Kommissar Hedström ist bestimmt nicht der letzte, dafür hat die Autorin mit einem interessanten Cliffhanger gesorgt.

 

 

Zusammengefasst:

Die Meerjungfrau ist ein Schwedenkrimi, den es sich zu lesen lohnt.

 

Aus der Redaktion:

Ähnlicher Autor: Asa Larsson

Ähnliches Buch: Das Mädchen im Schnee – Nini Schulman

Interessanter Fakt: Die Bücher von Camilla Läckberg spielen in der Gegend ihres Geburtsortes Fjällbacka.

 

Hörbuchempfehlung:

Okt 13

Michael Connelly – Kein Engel so rein

Michael Connelly - Kein Engel so rein

Michael Connelly – Kein Engel so rein

Ein guter Freund machte mich auf dieses Buch von Michael Connelly aufmerksam mit den Worten: „Das beste was ich seit langem gelesen habe.“ Meine Neugier war geweckt.

 

Zum Buch:

Detectiv Harry Bosch wird am Neujahrstag zu einem Knochenfund im Wald gerufen. Erste Untersuchungen ergeben, dass es sich um die Knochen eines Kindes handelt, das vor etwa 20 Jahren nach langer Misshandlung ermordet worden ist. Bosch und sein Partner Edgar machen sich an die Ermittlungen. Doch die Aussichten einen so lange zurückliegenden Fall zu lösen, liegen im Polizeialltag nicht gerade hoch.

 

Ein atmosphärisch dichtes Buch erwartet den Leser. Schnell taucht man ein in den achten Fall von Harry Bosch. Man bemerkt die Vertrautheit des Autors mit seinem gut gezeichneten und tiefgründigen Helden. Diesmal ist die Atmosphäre düsterer und trauriger als in den Vorgängern, was der Figur und dem Buch aber extrem gut tut. Ebenso sind alle anderen Charaktere dieses Buches gut heraus gearbeitet und glaubwürdig in ihren Aktionen.

Auch wenn die Ermittlungsarbeit der Polizei in einem fast dokumentarartigen Stil beschrieben wird, geht die Spannung dieses Buches nicht verloren. Dafür verantwortlich sind die komplexe und verschachtelt aufgebaute Handlung und der lockere Schreibstil des Autors.

Von Abnutzungserscheinungen der Figur Harry Bosch ist hier nichts zu spüren. Ganz im Gegenteil, durch die gewonnene Tiefe des Charakters erhält die Figur weitere Sympathiepunkte auf der Liste der beliebtesten Ermittler im Krimigenre. Man sollte sich allerdings, wie bei Reihen eigentlich fast bindend, nach Möglichkeit vom ersten Buch voran arbeiten. So kann man Harry Bosch von Beginn kennen lernen und dieses Buch noch mehr wertschätzen.

 

Zusammengefasst:

Der achte Fall von Harry Bosch ist atmosphärisch dichter als seine Vorgänger und macht ihn deshalb absolut lesenswert.

 

Aus der Redaktion:

Ähnlicher Autor: Lee Child

Ähnliches Buch: Tag der Sühne – R.J. Ellory

Interessanter Fakt: Michael Connelly gewann mit seinem Erstlingswerk „Schwarzes Echo“ den Edgar Allan Poe Award.

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