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Mrz 31

Die Redaktion zum Thema Tierkrimi

Nachdem Glenkill und Tartufo so erfolgreich verlegt wurden, ist die  Krimipresse auf das kleine aber mit loyaler Leserschaft gesegnete Genre des Tierkrimis aufmerksam geworden und fragte sich, was einen Tierkrimi so besonders macht. Ein Krimi ist ein Krimi, oder nicht? Sind Tierdetektive ihren menschlichen Kollegen ähnlich oder sogar gleichgestellt? Spielt es eine Rolle, welches Tier die Rolle des Detektivs einnimmt?

Nachdem wir mehrere Werke dieses kleinen Genres unterschiedlicher Couleur gelesen haben, ergaben sich einige interessante Antworten.

Grundsätzlich unterscheiden sich beide Detektivarten natürlich darin, dass einer Mensch ist und mit anderen Menschen sprechen kann – und der andere vielleicht nur alles versteht, dafür aber besonders gut riecht oder sieht.

Die tierischen Kollegen haben je nach Tierart tierische Vorteile oder Handicaps. Der Nachteil ist meistens, dass sie den Menschen nicht mitteilen können, was sie beispielsweise riechen können (eine Lüge u.a.). Einige Tiere sind nachtaktiv und können im Dunkeln hervorragend sehen, welches ihnen bei der Ermittlung geheimer Vorgänge einen gewissen Vorteil verschafft.

Verhöre werden meisten belauscht, denn Tiere verstehen selbstverständlich die Menschen. Meistens verstehen sie sich auch untereinander. Insgesamt sind tierische Ermittler doch sehr menschlich (dementsprechend ermitteln sie sehr menschlich), allerdings cleverer. Eine schöne Ausnahme ist Glenkill. Dort sind Tiere nicht intelligenter als Menschen.

Wir Menschen werden oft als etwas langsam im Denken und Handeln dargestellt – bis auf Rita Mae Brown; für sie sind alle Guten clever und alle Bösen einfach gestrickt.

Wie weit die Autoren ein alter ego erschaffen, ist schwer zu sagen. In Tartufo spiegelt das Trüffelschwein auf jeden Fall den Autor wider.

Zumeist sind es eher die eigenen Haustiere der Autoren oder tierische Lieblinge, denen menschliche Eigenschaften angedichtet werden. Rita M.  Brown schreibt ihre Bücher ja offiziell mit ihrer Katze.

 

Die Autorin Lilian Jackson Braun (Die Katze, die rückwärts lesen konnte, Erstes Buch der Reihe um Kater Koko, als TB 2008 in DL erschienen) hatte selbst eine Katze. Sie hatte als PR-Journalistin und freie Autorin gearbeitet. Ihre eigene Siamkatze verstarb plötzlich und Mrs Jackson fragte sich stets, ob es wirklich ein Unfall gewesen ist.

Ein Weg der emotionalen Aufarbeitung war für sie eine kriminalistische Kurzgeschichte zu schreiben, dies ist er Anfang ihrer Reihe von Katzenkrimis.

Rita Mae Brown (Autorin von „Eine Maus kommt selten allein“); gibt auf die Frage nach dem Charakter ihrer Katzendetektivin Mrs Murphy folgende Antwort:

RITA MAE BROWN: Well, it’s not anything she does differently. She’s just smarter than any of the humans.

Laut Mrs Brown sind Katzen sehr viel klüger als Menschen, sie sind scharfsinniger, können höher springen als wir und Katzen haben keine Vorurteile so wie wir Menschen. Rita lebt auf einer Farm mit elf Katzen und fünf Hunden und zahlreichen anderen Tieren.

Rita Mae Brown: Loves Cats, Hates Marriage – TIME http://content.time.com/time/arts/article/0,8599,1723482,00.html#ixzz2vH5UMAv2

 

Neben einigen Exoten wie Gänsen oder Schafen sind vor allem Katzen und Hunde die Helden im Genre Tierkrimi. Obwohl dieses Genre im Vergleich zu allen erscheinenden Krimis nur einen Bruchteil ausmacht, verfügen sie über eine feste Fangemeinde. In Deutschland erscheinen nach einer Schätzung der bei Amazon erhältlichen Krimis etwa 3 Promille als Tierkrimi. In den USA und Großbritannien sind es sogar weniger (UK: 1,8 Promille, USA: 1 Promille).

Trotz des kleinen Anteils gibt es einige Klassiker wie Glenkill, die in vielen Ländern erschienen sind und auch Leser außerhalb des Genres begeistern.

 

Fazit:

Wer einmal einen ganz anderen Krimi erleben möchte, sollte sich trauen und einem Hund oder einer Katze über die Schulter schauen. Zwar sind die Fälle oft sehr seicht, folgen einer einfachen Handlung mit einfachen Charakteren, doch sie versprechen Abwechslung und so manches Mal mindestens ein Schmunzeln.

 

Den Tieren werden besondere Eigenschaften unterstellt, die im Charakter alle menschlich sind. Und eines haben alle gemeinsam, sie sind unheimlich aufgeweckt und äußerst mitteilungsbedürftig.

Fans dieser Krimis können ihrem Hobby nachgehen und gleichzeitig ihre Lieblinge in Aktion erleben. Vielleicht macht dies den besonderen Reiz eines Krimis aus, in dem man den Mörder schon mal am Geruch erkennt.

Abschließend die Frage an Sie liebe Leser: Warum lesen sie gern einen Krimi, in dem der Ermittler vermutlich nicht auf zwei Beinen geht?

 

 

Aus der Redaktion

Felidae, Akif Pirincci

Glennkill, Leonie Swann

Tartufo, Wolfgang Zdral

Eine Maus kommt selten allein, Rita Mae Brown

 

 

 

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